Warum tut man sowas?

image

Seit dem zweiten Schuljahr bin ich Brillenträger. Im Laufe der Jahre nahm meine Kurzsichtigkeit immer weiter zu, bis ich mit etwa 15 Jahren bei knapp -7 Dioptrien angekommen war. Meine Sehschwäche hat mich stark geprägt. Ich war immer Teil der Gruppe der Brillenträger, derer, die schlecht im Sport waren. Konnte nie gut fangen oder zielen, im Schwimmbad ziemlich hilflos. Ich hab nur einmal beim Spielen eine Brille zerdeppert, aber hinterher war ich noch vorsichtiger, zurückhaltender.

In der Oberstufe unternahm ich einen ersten Versuch mit Kontaktlinsen. Der Unterschied im Alltag war bemerkenswert: auf einmal hatte ich ein viel weiteres Sichtfeld, konnte besser räumlich sehen und mich bewegen, ohne ständig Angst um meine Brille zu haben. Leider erwiesen sich meine Augen als ziemlich empfindlich, meistens musste ich die Linsen nach spätestens 12 Stunden wieder raus nehmen, weil die Augen trocken wurden, zu brennen anfingen. Nach zwei, drei Jahren trug ich die Linsen deshalb immer seltener und schließlich gar nicht mehr.

Einige Jahre später startete ich einen neuen Versuch, weil die Einschränkungen durch die Brille blieben. Diesmal vertrug ich die Kontaktlinsen deutlich besser. Etwa zur gleichen Zeit befasste ich mich erstmals mit dem Gedanken, meine Kurzsichtigkeit per Laser korrigieren zu lassen. Die Aussicht, nicht mehr auf eine Sehhilfe angewiesen zu sein, war schon damals verlockend. Grade die Zeit des Wehrdienstes hatte mir sehr eindrücklich deutlich gemacht, wie eingeschränkt ich dadurch war – mit der Brille war ich deutlich weniger fähig, Kontaktlinsen waren wegen der Frage der Pflege und Aufbewahrung nicht praktikabel. Allerdings waren die Schilderungen, wie eine Laser-OP verläuft, schon ziemlich abschreckend. Weil ich mir den Kontaktlinsen eine gute Korrektur hatte, verfolgte ich das Thema damals nicht weiter, lernte mit den praktischen Einschränkungen der Linsen zu leben.

Ohne Sehhilfe fühlte ich mich schon lange hilflos. Meistens trug ich beim Schlafen die Brille, weil ich nicht bei jedem Aufwachen nach ihr tasten müssen wollte. Im Laufe der Zeit war die Brille in immer schlechterem Zustand, weil ich im Alltag immer Linsen trug und nie den Aufwand und die Kosten einer neuen Brille rechtfertigen konnte. Die Brille wurde zum Symbol. Wenn ich tagsüber die Brille trug, war ich entweder erkältet oder es ging mir anderweitig richtig dreckig.

In letzter Zeit ist mein Leben in Bewegung gekommen. Ich habe viele Gewohnheiten in Frage gestellt. Dazu gehörte auch, dass ich öfters mal spontan unterwegs war. Ohne zu wissen, wann ich wieder nach Hause kommen würde. Damit stellte sich mir auch wieder die Frage, ob ich jedes Mal, wenn ich das Haus verlasse, Kontaktlinsenpflege und Brille mit mir herumtragen will. Das war für mich der Anlass, nochmal über eine Augen-OP nachzudenken. Dabei stellte ich fest, dass sich die Methoden in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt haben. Grade durch die Präzision von Femtosekunden-Lasern sind die Abläufe inzwischen stark automatisiert, so dass der Operateur kaum noch mit Geräten am Auge hantiert.

Deshalb habe ich den Mut gefasst, das Thema ernsthaft anzugehen, die Verwandtschaft nach ihrer Meinung gefragt und in deren ziemlich fachkundigen Bekanntenkreis nach Ratschlägen zu fragen. So landete ich bei der Klink Hohenlind. Meine Erfahrungen schildere ich in einem zweiten Teil.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *