Eine Seilbahn für Bonn – gar nicht so abgehoben

Als ich zum ersten Mal von der Idee hörte, in Bonn eine Seilbahn zu bauen, war mein erster Reflex der Gedanke: “Ein typisches Bonner Schwachsinns-Projekt, wie die Zweisystem-Flughafenbahn, die Südtangente oder das Beethoven-Brimborium”. Je länger ich mich damit auseinandersetze, desto sinnvoller wird das Projekt jedoch in meinen Augen.

Der Venusberg hat ein Verkehrsproblem

Straßen zum Venusberg
Straßen zum Venusberg
Zum Venusberg gibt es aktuell zwei Straßenverbindungen. Die Hauptverbindung ist die Robert-Koch-Straße, die den Venusberg von Norden erreicht. Diese Verbindung ist hoch belastet. Der öffentliche Nahverkehr besteht aus Bussen, die sich durch Poppelsdorf oder die Südstadt quälen müssen. Grade im Berufsverkehr ist es nicht selten, dass in Poppelsdorf überfüllte Gelenkbusse im Fünf-Minuten-Abstand im Stau stehen. Weitere Busse würden die Probleme nur noch verschärfen. Auch Schnellbusse sind keine Lösung, weil es keine Alternativrouten gibt, auf denen die Busse nicht im Stau stünden. Als zweite Verbindung auf den Venusberg erreicht der Haager Weg den Bereich von Südwesten. Diese Verbindung führt durch enge Wohnstraßen in Ippendorf und sollte nicht zusätzlich belastet werden.

Nichtstun ist keine Option
Es ist allgemein anerkannt, dass Verkehrsstaus realen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen (z.B. hier) – Bonn kann es sich schlicht nicht leisten, das Problem zu ignorieren. Jede Lösung für das Verkehrsproblem wird Geld kosten, aber die direkten und indirekten Kosten das Nichtstuns sollte man dabei nicht aus dem Auge verlieren. Leider ist der wirtschaftliche Nutzen von Infrastruktur-Maßnahmen selten offensichtlich, aber er ist real. Allein schon der Erhalt und mögliche Zuwachs an Arbeitsplätzen im Uni-Klinikum hat für die Stadt Bonn handfeste finanzielle Folgen, die ganz wesentlich von der Lösung des Verkehrsproblems abhängen.

Die klassischen Lösungen versagen hier
Der Venusberg liegt etwa 100 Meter oberhalb des Hauptteils der Stadt und ist zudem von Landschafts-Schutzgebieten umgeben. Diese Lage erschwert alle klassischen Lösungen. Eine Straße aus Richtung Godesberg würde eine Schneise durch den Kottenforst schlagen. Eine Straßenbahn vom Hauptbahnhof aus würde entweder ebenfalls in Poppelsdorf im Stau stehen oder einen Tunnel erfordern, der selbst im günstigsten Fall kaum unter 300 Millionen Euro zu haben wäre. Die immer wieder angeführte Südtangente würde die Klinik unterqueren und lässt sich nicht praktikabel an den Venusberg anbinden.

Eine Seilbahn ist günstig zu haben
Für die Venusberg-Seilbahn liegt noch keine Kostenschätzung vor. Fest steht jedoch, dass sich die Investitionskosten einer Seilbahn auf die Stationen, Masten, Seile und Kabinen beschränken. Insbesondere sind keine Eingriffe in die überschwebten Bereiche notwendig. Deshalb ist eine Seilbahn kostengünstig zu bauen. Die genannte Größenordnung von 20-50 Millionen klingt erst einmal nach viel Geld, relativiert sich aber, wenn man bedenkt, dass allein der Bau der Hochbahnsteige an der Haltestelle Stadthaus bereits 6 Millionen gekostet hat.

Was kann die Seilbahn?
Sinn und Unsinn einer Seilbahn hängt ganz wesentlich von der Lage ab. Im Idealfall liegen die Stationen direkt an Halten von Eisen- oder Straßenbahn und führen von dort in möglichst direkter Linie über natürliche Hindernisse, so dass der kurze Weg die verhältnismäßig Geringe Geschwindigkeit aufwiegt. Als Verknüpfungspunkt im Tal bietet sich der im Bau befindliche Bahnhof UN Campus an der DB-Strecke an, weitere Punkte, an denen Stationen denkbar wären, sind der Hindenburgplatz, die Station Olof-Palme-Allee, sowie rechtsrheinisch der U-Bahnhof Ramersdorf, die Station Bonn-Ramersdorf der S13 auf Höhe der Straßenbahnstation Schießbergweg oder der Bahnhof Oberkassel. Auf dem Venusberg selbst kommt eine Station entweder im Bereich Sertürnerstraße (gute Anbindung an Buslinien) oder der bisherige Hubschrauberlandeplatz in der Nähe der Hauptpforte (zentrale Lage im Klinikum) in Frage.

[googlemaps https://www.google.com/maps/d/embed?mid=1cfzidmaN6Q0FwBNE-3WkQY4uJio&w=640&h=640]
Jeder der untersuchten Trassenvarianten kann eine Querspange zwischen bestehenden Vekehrslinien bilden und zum Teil in erheblichem Maß auch Fahrgastströme bedienen, die Wege zwischen diesen bisher nur über den Hauptbahnhof verbundenen Punkte ankürzen wollen. Generell kann man zwischen dem linksrheinischen Tal und dem Venusberg 4-6 Minuten Fahrzeit kalkulieren, aus dem rechtsrheinischen Raum auf den Venusberg würden es wohl 10-12 Minuten werden. Dazu kommt, dass sich eine Seilbahn mit nahezu beliebig vielen Kabinen bestücken lässt, also beispielsweise alle zwei Minuten eine Kabine fahren würde – entsprechend bestünde an den Umsteigepunkten ein direkter Anschluss an die Seilbahn ohne lange Wartezeit, auch bei verspäteten Zügen.

Was ist geplant
Aktuell läuft eine Machbarkeitsstudie, die mögliche Streckenführungen finden und dazu Fahrgastzahlen und Kosten berechnen soll. Begleitet wird diese Studie durch Dialogveranstaltungen mit interessierten Bürgern und einer Online-Platform, auf der auch die Vorträge der bisherigen Veranstaltungen abrufbar sind und Diskussionsmöglichkeiten bestehen.

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